He's the top of the West

Franco Micalizzi schrieb den berühmten Soundtrack zu "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und setzte Terence Hills Trinity damit ein unvergessliches musikalisches Denkmal. Auf dem Festival 2019 in Lommatzsch war er schon einmal unser Gast und wir freuen uns ihn in diesem Jahr erneut begrüßen zu können. Und dieses Mal bringt er seine Band mit und wird seine bekanntesten Melodien für uns auf der Bühne spielen!

Franco Micalizzi in Lommatzsch 2019

Franco Micalizzi wird am 21. Dezember 1939 in Rom geboren. Schon in jungen Jahren lernt er Klavier und Gitarre zu spielen. Ende der 50er Jahre wird der Musiker und Komponist Robby Poitevin auf Micalizzi aufmerksam und holt ihn als Gitarrist in seine Band "I Robby's". Die Band nimmt zwischen 1959 und 1961 acht Singles auf und unterstützt auch andere Künstler als Background-Band bei ihren Aufnahmen, u.a. Emilio Pericoli und Ornella Vanoni. Die Band löst sich schließlich auf und Franco Micalizzi legt seinen Fokus auf die Komposition von Filmmusik. Seinen ersten Soundtrack schreibt er 1967 für die italienische Romanze "Il ragazzo che sapeva amare" des Regisseurs Enzo Dell'Aquila.

Die rechte und die linke Hand des Teufels

Soundtrack-LP

Der große Durchbruch gelingt Franco Micalizzi im Jahr 1970 als er für Enzo Barboni den Soundtrack zu "Die rechte und die linke Hand des Teufels" komponiert. Der Produzent Italo Zingarelli ist ein Freund Micalizzis und bittet ihm den Soundtrack zu schreiben. Nach der Lektüre des Drehbuchs komponiert er direkt das berühmte Titellied, welches von Lally Scott mit einem englischen Text versehen wird. Doch beim Vorspielen fällt der Song durch. Zingarelli möchte ein langsameres und breiteres Thema, eine Art Wiegenlied. Also komponiert Micalizzi ein neues Thema, welches sich dann aber beim Schnitt des Films als zu langsam herausstellt. Der Cutter ruft Micalizzi an und sagt die beiden Helden müssten sich fast in Zeitlupe bewegen, damit es zur Musik passt. Es wird ein neues Treffen mit Zingarelli und Regisseur Barboni anberaumt und dieses Mal kann Micalizzi seinen ursprüngliches Titellied durchsetzen, auch weil Micalizzi in Barboni einen Verbündeten hat, dem das schwungvolle Stück sehr gut gefällt. Als Sänger wird der italienisch-australische Sänger Annibale Giannarelli engagiert, der kurz nach der Aufnahme nach Australien zurück geht und erst sehr spät vom Erfolg des Stücks erfährt. Erst zu Beginn dieses Jahres kehrt Annibale in die Öffentlichkeit zurück. Er nimmt an der Castingshow "The Voice senior" teil und gewinnt.

Großer Erfolg mit Musik für Polizeifilme

Franco Micalizzi hingegen feiert bereits 1974 mit dem von ihm komponierte Titellied zum Film "Der letzte Schnee des Frühlings" (L'ultima neve di primavera) einen weiteren Charterfolg in Italien. Große Bekanntheit erlangen auch seine Arbeiten für die Regisseure Umberto Lenzi und Marino Girolami, für die er einige der populärsten Polizeifilme (Poliziotteschi) in dieser Zeit vertont, wie z.B. "Die Viper" (Roma a mano armata, 1975), "Camorra – Ein Bulle räumt auf" (Napoli violenta, 1976), "Cop Hunter" (Italia a mano armata, 1976), "Die Gewalt bin ich" (Il cinico, l'infame, il violento, 1977) und "Die Kröte" (La banda del gobbo, 1978). Und auch als der Polizeifilm sich in den 80er-Jahren in Richtung Komödie veränderte, bleibt Micalizzi dem Genre treu und kann einige Erfolge erzielen. So schreibt er z.B. die Musik für zwei der populären Nico Giraldi-Komödien (in Deutschland Tony Marroni) mit Tomas Milian, namentlich "Elfmeter für den Superbullen" (Delitto a Porta Romana, 1980) und "Das Schlitzohr vom Highway 101" (Delitto sull'autostrada, 1982).

Wieder für Bud Spencer und Terence Hill

Mitte der 80er-Jahre arbeitet Micalizzi für zwei Filme wieder mit Bud Spencer und Terence Hill zusammen. Wie schon bei "Die rechte und die linke Hand des Teufels" ist es auch dieses Mal wieder Regisseur Enzo Barboni, der ihn engagiert. Die Soundtracks zu "Zwei bärenstarke Typen" (Nati con la camicia, 1983) und "Vier Fäuste gegen Rio" (Non c'è due senza quattro, 1984) werden zu großen Erfolgen und die beiden Titelsongs "In the middle of all that trouble again" und "What's going on in Brazil?" erfreuen sich noch heute unter Spencer/Hill-Fans großer Beliebtheit. Zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Terence Hill kommt es weitere 30 Jahre später als dieser im Jahr 2017 für sein Kino-Comeback "Mein Name ist Somebody" (Il mio nome è Thomas, 2018) einen Titelsong sucht, der eine Brücke zu seinem ersten großen Kinoerfolg "Die rechte und die linke Hand des Teufels" schlagen soll. Er erinnert sich an Micalizzi, der damals die Originalmusik komponierte. Micalizzi schreibt daraufhin den Song "The World under my Shoes", der zum Titelsong des Films wird. Im Song variiert Micalizzi das berühmte Pfeifen aus dem Trinity-Titelsong und kann für die Aufnahme sogar den Original-Pfeifer von damals gewinnen, den zu dieser Zeit 91-jährigen Alessandro Alessandroni.

Das Pfeifen aus dem Trinity-Song ist übrigens auch dem amerikanischen Regisseur Quentin Tarantino im Gedächtnis geblieben. Er benutzt Micalizzis Originalmelodie für das Finale in seinem Film "Django Unchained" (2012). Schon 2007 bedient sich Tarantino das erste Mal bei Micalizzi. In seinem Film "Death Proof ist der Titelsong aus "Cop Hunter" (Italia a mano armata, 1976) zu hören.

Franco Micalizzi auf der Bühne